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Städte in der Erinnerung


Die Reise in die Erinnerung hat mich in Städte gebracht, die Stationen meines Lebens waren und sind. Indem ich diese Städte durchwandere, wird in mir die eigene Erinnerung ebenso lebendig wie das aktuell darin wahrgenommene Leben.

Es ist mir bewußt, daß Wahrnehmung immer erinnernd ist, und daß die Fotografie davon lebt, aber für dieses Projekt habe ich mir diesen Vorgang zur eigenen Beobachtung vor Augen gestellt: Was sehe ich jetzt an diesem sich ständig verändernden Ort, wenn konkrete Erinnerungen mich an ihn binden, die z.T. mit meiner Kindheit zu tun haben? Unterscheiden sich die resultierenden Bilder dann voneinander in dem Maße und in der Art wie meine Erinnerungen sich aufs Farbigste unterscheiden, oder setzt sich eine tatsächliche Unterscheidbarkeit der Städte so durch, daß die Erinnerung vielleicht nur eine Eintrittskarte für einen Logenplatz in der Gegenwart ist?

Auf jeden Fall trieb mich die Erinnerung dorthin: nach Madrid, Boston, Pistoia und Cairo.

Die Erinnerung an Madrid ist indirekt, rührt von Erzähltem und von Fotografien aus dem Jahr 1970. Ich bin in Madrid geboren, nach dem ersten Jahr fortgezogen und erst mit 31 Jahren zurückgekehrt. Ich habe mein Geburtshaus gesucht und alle Stätten der Erzählungen.

In Boston lebte ich 6 Monate im Alter von 10 Jahren. Wir verbrachten fast keine Zeit zuhause, sondern lebten mehr oder weniger im öffentlichem Raum. Die Harvard Bibliothek und die städtischen Büchereien wurden unsere Aufenthaltsorte und Treffpunkte, wir waren auf den Straßen in Demos und Straßenfesten und abends in Jazz und Reggaekonzerten. Diese Lebensdichte habe ich bei späteren Besuchen nie wieder gefunden. Die Szene hatte sich aufgelöst, die Stadt wirkte gestylt und designed und die neue Architektur anonym. Auf meinen Fotos fand ich nichts wieder, weder das eine noch das andere, weder die Erinnerung noch eine neue Lebendigkeit, eher die Suche nach kleinen allgemeinen Lebensspuren.

Pistoia, die kleine toskanische Stadt meiner Ferien seit meinem 13. Lebensjahr: hier gehen Erinnerung und Gegenwart nahtlos ineinander über. Unverändert schneiden die engen hohen Gassen der Altstadt das Licht in Licht und Schatten auf, immer suchen die Augen einen Schattenplatz auf um auf das Belichtete schauen zu können. Die Veränderungen geschehen vor allem am Stadtrand. Diese Stadt ist selbst wie eine Fotografie, sie kommuniziert über Vergangenheit und Gegenwart.

Die chaotische, exotische Stadt Kairo wurde schon zu meiner Schulzeit zu meinem fotografischen Arbeitsplatz. Ich stieß dort auf die Anfänge der Reisefotografie und schrieb und gestaltete als Facharbeit für das Abitur eine vergleichende Arbeit über die ägyptische Reisefotografie am Beispiel der Bilder der Pyramiden. Für die Abschlußarbeit an der Fotoakademie München unternahm ich von Kairo aus eine Nilreise auf der Suche nach einer vergangenen nomadischen Kultur . Es wurde daraus eine fotografische Arbeit über das Sehen auf Reisen im Gegensatz zu einer Fotografie der Sehenswürdigkeiten.

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